UNIVERSITÄT DER ZUKUNFT
Die
Universität ist der Grundstein für die Entwicklung
der ganzen Gesellschaft, weswegen ihre ständige Fortbildung
in Einklang mit gesellschaftlichen Bedürfnissen nötig
ist. Nationale Bildungssysteme, die in Europa schon seit dem
11. Jahrhundert aufgebaut wurden, unterscheiden sich von Land
zu Land. Die heutigen Bedürfnisse der Gesellschaft und
die Prinzipien eines einheitlichen Europas fordern nicht nur
einzelne Entwicklung, sondern auch gegenseitige Übereinstimmung
dieser Systeme. Aus diesem Grund haben 45 Länder Europas
mit der Akzeptierung der Bologner Deklaration aus dem Jahr
1999 mit dem Aufbau eines gemeinsamen Hochschulbildungssystems
begonnen. Diese synchronisierte Arbeit der europäischen
Länder wird Bologner Prozess genannt.
BOLOGNER PROZESS
Das Ziel des Bologner Prozesses ist die Errichtung einer
europäischen Hochschulbildungszone bis zum Jahr 2010.
Ein gemeinsamer Hochschulbildungsraum ermöglicht Erkennung
und Anereknnung von Bildungsprofilen und Unterrichtsinhalten
in ganz Europa, aber auch ungestörtes Placement nationaler
Bildungseinrichtungen auf dem europäischen Markt. Gleichberechtigter
Wettbewerb zwischen den europäishen Universitäten
ist die Bedingung für ihre ständige Fortbildung
und für die Förderung der Qualität der Dienstleistungen,
die angeboten werden. Auf diese Weise versucht Europa ihre
Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt zu sichern
und sich vor der Eindringung anderer großer Hochschulbildungssysteme
zu schützen, von denen das amerikanische System das erfolgreichste
ist. Auch wenn eine einheitliche Grundbasis des Bildungsprozesses
gesetzt wird, wird in der Bologner Deklaration die Verschiedenartigkeit
der Unterrichtsinhalte geschützt und die Respektierung
der Verschiedenheit von Kulturen, Traditionen und Sprachen
hervorgehoben.
EUROPÄISCHE HOCHSCHULBILDUNGSZONE
Damit die Europäische Hochschulbildungszone effektiv
sein kann, ist es nötig, eine Reihe von Standards festzustellen,
die verbindlich für alle ihre Mitglieder sind.
SICHERUNG DER QUALITÄT durch die Arbeit
von Expertenkörperschaften auf nationaler Ebene, die
die Qualitätskontrolle der Hochschuleinrichtungen und
ihrer Lehrprogramme durchführen, auf Grund dessen eine
Arbeitserlaubnis erteilt werden kann. Während des Prozesses
der Evaluation und Selbstevaluation wird besonders auf die
Meinung der Studenten acht gegeben und der ganze Prozess wird
von internationalen Körperschaften kontrolliert. Mit
der Sicherung eines Minimums an Qualität der erworbenen
Bildung erwirbt man Vertrauen und gegenseitige Geltung der
Hochschuleinrichtungen auf dem ganzen Kontinent.
ANERKENNUNG VON QUALIFIKATIONEN
Die Staaten Europas verpflichten sich zur Anerkennung der
Zeugnisse, die in europäischen Ländern erworben
wurden, womit Mobilität der Arbeitskraft gewährleistet
wird. Die Verständlichkeit und Vergleichbarkeit der Zeugnisse
wird durch die Einführung einer sog. Zeugnisbeilage erleichtert,
die in einer der Weltsprachen die Beschreibung aller Studienfächer
und andere Daten beinhaltet, die für das Verständnis
des erworbenen Bildungsprofils nötig sind. Auf der anderen
Seite verpflichten sich die Hochschuleinrichtungen, Studienfächer
und Semester, die an anderen Universitäten abgelegt wurden,
anzuerkennen, womit die Mobilität der Studenten gewährleistet
wird.
DREI STUFEN DES STUDIUMS werden einen breiter
angelegten internationalen Studentenaustausch ermöglichen,
da auf diese Weise die Standards für ihre Dauer eingeführt
werden. Das Grundstudium dauert drei oder vier Jahre. Master-
bzw. Diplomstudien dauern ein Jahr, wenn vorher ein 4-jähriges
Grundstudium absolviert wurde, bzw. zwei Jahre, wenn vorher
ein 3-jähriges Grundstudium absolviert wurde. Studien
für eine Promotion dauern drei Jahre mit dem vorher realisierten
Umfang von 5 Jahren akademischer Studien.
EUROPÄISCHES PUNKTEÜBERTRAGUNGSSYSTEM (ESPB)
entstand wegen der Notwendigkeit der Festsetzung einer allgemein
akzeptablen Norm, wieviel ein Student arbeiten muss, um den
Lehrinhalt zu bewältigen. Im Gegenteil wäre ein
adäquater Studentenaustausch nicht möglich, weil
an manchen Universitäten die Lehrprogramme überlastet
sind, an anderen wiederum sind sie unter dem annehmbaren Maß.
Eine Summe von 60 ESPB stellt das gesamte Engagement eines
Studenten während des ganzen Studienjahres dar, das nicht
länger als 8 Stunden täglich 5 Tage in der Woche
sein soll, also im Unfang einer 40-stündigen Arbeitswoche.
Das gesamte Engagement des Studenten besteht aus aktivem Unterricht
(Vorlesungen, Übungen, Praktika, Seminare u.a.), selbständiger
Arbeit, Kolloquien, Prüfungen, der Erstellung einer Diplomarbeit
u.a.
VERANTWORTUNG FÜR HOCHSCHULBILDUNG bedeutet,
dass die Förderung des Hochschulsystems ein komplexer
Prozess ist, in dem sich die Regierung, Akademiker und Studenten
engagieren und teilnehmen. Die Regierung soll die Universitätsautonomie,
die Hochschulfinanzierung und die Realisierung von Gesetzen
und internationalen Verpflichtungen gewährleisten. Das
Lehrpersonal soll vorzugsweise an der Bildung und Übermittlung
von Wissen und der Leitung von Hochschulbildung arbeiten.
Die Studenten sollen, neben Aneignung und Reproduzierung von
Wissen, ihre Meinung über die Relevanz des erworbenen
Wissens und die Wirksamkeit seiner Übermittlung äußern
und aktiv an der Beschlussfassung und Leitung des Hochschulsystems
teilnehmen.
MOBILITÄT DER STUDENTEN
Nehmen wir an, dass ein Jurastudent aus Berlin ein Semester
in Rom studieren möchte und das nächste in einem
anderen Universitätszentrum in Europa. Um diese Mobilität
der Studenten realisierbar zu machen, ist es nötig, dass
die Universitäten technische Mindestbedingungen sichern,
wie z.B.: ausgeglichene Studiumsdauer, Modularisierung der
Fächer (bzw. ihre Einteilung in mehrere kleinere Einheiten,
so dass der Unterricht für jede Einheit ein Semester
dauert), Ermittlung des Bewältigungsgrades des Lernstoffs
in ESPB–Punkten ausgedrückt und Erteilung eines
besonderen Dokuments, das die Beschreibung der besuchten Fächer
und andere benötigte Daten beinhaltet, damit das Lehrpersonal
an einer anderen Universität später wissen kann,
in welchen Aspekten der Materie der Student unterwiesen ist.
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